Pluto kein Planet mehr
Am 24. August 2006 endete in Prag die 16. Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU). An diesem Tag verabschiedeten die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung insgesamt 6 Resolutionen. Öffentliche Aufmerksamkeit erregten vor allem die beiden letzten Resolutionen 5A und 6A. In Resolution 5A hat die IAU erstmals eine wissenschaftliche Definition des Begriffes "Planet" veröffentlicht. Resolution 6A definiert Pluto als den Prototyp einer neu geschaffenen Klasse von Himmelskörpern.
IAU Resolution 5A:
- Ein "Planet" ist ein Himmelskörper, der (a) sich in einer Umlaufbahn um die Sonne befindet, (b) über ausreichend Masse verfügt, um sich durch seine Eigen-Gravitation im hydrostatischen Gleichgewicht zu befinden (und dadurch eine nahezu runde Gestalt besitzt) und (c) die Umgebung seiner Umlaufbahn von kosmischem Material befreit hat.
Die acht Planeten sind: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.
- Ein "Zwergplanet" ist ein Himmelskörper, der (a) sich in einer Umlaufbahn um die Sonne befindet, (b) über ausreichend Masse verfügt, um sich durch seine Eigen-Gravitation im hydrostatischen Gleichgewicht zu befinden (und dadurch eine nahezu runde Gestalt besitzt), (c) die Umgebung seiner Umlaufbahn nicht von kosmischem Material befreit hat und (d) selbst kein Mond (Satellit) ist.
Die ersten hier eingeordneten Himmelskörper sind: Ceres, Pluto und 2003 UB313 (vorläufiger Name).
- Außer Satelliten, welche die Sonne umkreisen, werden alle übrigen Objekte unter dem Begriff "Kleine Sonnensystemkörper" zusammengefasst.
IAU Resolution 6A:
- Pluto ist entsprechend der obigen Definition ein "Zwergplanet" und wird als der Prototyp dieser neuen Klasse von Transneptun-Objekten anerkannt.
Erste Reaktionen
Doch bereits direkt nach der Abstimmung wurden kritische Stimmen laut. An der Veranstaltung am letzten Tag der IAU Generalversammlung waren nur noch 424 der ursprünglich über 2500 anwesenden Astronomen beteiligt. Die Möglichkeit der postalischen oder elektronischen Stimmenabgabe bestand nicht.
Weitere Kritikpunkte sind die Inhalte der Resolutionen. So unterzeichneten bis zum 30. August insgesamt 301 Planetologen und Astronomen, welche die von IAU beschlossenen Definitionen und deren Entstehungsprozess in Frage stellen, eine gemeinsame Petition. Deren Wortlaut ist wie folgt: "Wir, Planetologen und Astronomen, stimmen mit der Planetendefinition der IAU nicht überein und werden diese nicht verwenden. Eine bessere Definition ist erforderlich." ( Quelle: http://www.ipetitions.com/petition/planetprotest/ )
Damit ist fraglich, ob die obigen Definitionen Bestand haben werden. Um einer Spaltung der Wissenschaftsgemeinde vorzubeugen, ist die IAU angehalten, möglichst schnell auf den Widerstand und die Bedenken der Kritiker einzugehen.
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