Navigation/Menü: Links auf weitere Seiten dieser Website und Banner
Huygens Mission (14 Jan 2005)
Um 10:07 Uhr MEZ prallt Huygens fast frontal unter einem Eintrittswinkel von 65°±3° auf die Titanatmosphäre. Etwa 15 Minuten zuvor wurde die Bordelektronik durch die an Bord befindlichen Timer aufgeweckt. Der Aufprall erfolgt mit rund 22000 km/h auf der zu diesem Zeitpunkt sonnenbeschienenen saturnabgewandten Seite Titans. Das Hitzeschutzschild bremst durch Atmosphärenreibung den freien Fall innerhalb von fünf Minuten zunächst auf Unterschallgeschwindigkeit (1080 km /h) ab, wobei die maximale mechanische Belastung bei rund 16 g liegen wird, d.h. die Sonde "spürt" das 16-fache ihres irdischen Gewichts. Die maximale Temperatur am Hitzeschild wird auf 2000°C ansteigen. Anschließend öffnet sich in einer Höhe von rund 180 km zunächst ein kleinerer Fallschirm, der das obere Hitzeschutzschild (gewissermaßen den "Deckel") wegzieht und Raum für den ersten Hauptfallschirm freigibt. Dieser zweite Fallschirm bremst Huygens schnell auf um die 370 km/h ab. Nach einer kurzen Stabilisierungsphase kann dann das große Hitzeschutzschild abgeworfen werden und die eigentliche Huygens-Sonde kommt zum Vorschein.
Die wissenschaftlichen Instrumente können jetzt in Betrieb gesetzt werden und beginnen, ihre Daten mit einer Rate von zunächst 1 kilobit/sec zum Cassini Orbiter zu senden. Die Geschwindigkeit verringert sich weiter, und damit die Sinkzeit zur Oberfläche nicht zu lang wird, wird eine Viertelstunde später der große Fallschirm abgeworfen und ein dritter, kleinerer Fallschirm öffnet sich. Die letzten 100 km bis zur Titanoberfläche hinab werden dann in rund 2,5 Stunden zurückgelegt. Fleißig sammeln die wissenschaftlichen Instrumente Daten über die Umgebungsbedingungen, und die Kamera "DISR" nimmt Bilder der fremdartigen Titanoberfläche auf. Alle Informationen werden zum Cassini Orbiter hochgefunkt und dort vierfach redundant gespeichert. Kurz vor der Landung ist die Datenrate von Huygens auf 8 kilobit/sec erhöht worden, von denen rund die Hälfte von der Kamera beansprucht wird. Es wird eine kleine Lampe eingeschaltet, um spektrale Messungen auf der Titanoberfläche durchführen zu können (das "natürliche Licht" von der Sonne ist durch den hohen Methananteil der Titanatmosphäre spektral schon so verändert, dass es keine gut kalibrierbaren spektralen Messungen mehr zulässt).
Die Landung selbst erfolgt schließlich mit einer berechneten Aufprallgeschwindigkeit von 20 km /h. Es ist gut möglich, dass Huygens diesen Stoß überleben und weiter Daten und Aufnahmen, jetzt von der Landestelle, senden wird. Sowohl für eine Landung auf Festland als auch in einem möglichen Ethan-See ist die Sonde ausgelegt. Insgesamt fast fünf Stunden sind für den wissenschaftlichen Teil der Huygens Mission geplant, danach wendet der Orbiter seine Hauptantenne von Titan weg. Die Stromversorgung durch Batterien auf Huygens geht jetzt auch zur Neige, und die tiefen Temperaturen von rund -180°C setzen der Bordelektronik so zu, dass sie von selbst ihren Dienst einstellen wird. Aber ihre Mission hat Huygens schon erfüllt, und sobald der Orbiter die gespeicherten Daten mehrmals zur Erde gesendet haben wird, ist die Eintauchsondenmission auch für ihn erfüllt.

